Ashtanga Yoga = Patanjali Yoga?

 von katharina

Gedanken zum achtgliedrigen Pfad des klassischen Ashtanga Yoga

Was hat es mit den Yogasutren des Patanjali auf sich, die die philosophische Grundlage des Ashtanga Yoga bilden? Hier eine kleine Zusammenfassung:

Die Yogasutren von Patanjali sind eine Gedankensammlung zum Yoga, ein Gedankengut, das seit längerer Zeit in Indien vorhanden war und das durch Patanjali niedergeschrieben und systematisiert wurde. Häufig werden die Sutren auch als Aphorismen bezeichnet. Aphorismen könnte man übersetzen als Gedankenketten, also als kurze, prägnante Sätze, hinter denen sich ein Meer an Bedeutungen eröffnet. So erkennt man in den Sutren wohl auch Elemente aus anderen Strömen der damaligen Zeit, zum Beispiel des Buddhismus. Gleichzeitig gibt es bis heute unzählige Kommentare und Erläuterungen, die versuchen, die Gedankenketten, die hinter den Sutren liegen, erneut darzulegen. Unklar ist, was für ein Mensch Patanjali war, spekuliert wird, er sei ein gebildeter Mensch gewesen. Häufig wird er als Schlange dargestellt, ein Zeichen dafür, dass er als Inkarnation von Ananta, dem Herrscher der Schlangen, gesehen wird, die die Aufgabe haben verborgenes Wissen, die Schätze der Erde, zu bewachen. Auch in der Antike und daher teilweise auch in unserem Kulturkreis gilt die Schlange ja als heilsbringend, da sie sich durch Häuten ständig selbst erneuern kann.

 

Die Sutren befassen sich mit dem Bewusstsein, der Psyche und des Verstandes des Menschen. Ziel ist es einen Weg aufzuzeigen, der den Menschen zur Erkenntnis einer transzendenten Wirklichkeit führt und das auf praktische Art und Weise, durch spirituelle Praxis, Erfahrung und Selbststudium. Die Fluktuationen oder Wirbel des Geistes sollen nach und nach zur Ruhe kommen, so dass der Mensch einen Zustand reinen Bewusstseins erfährt (cit). Dabei muss der Mensch lernen, seine unbewussten Prägungen (samskaras), die in der indischen Philosophie in enger Verbindung mit dem Glaube an die Wiedergeburt und den Begriff des Karmas stehen, aber auch seine Verhaftung im Leben nach und nach auflösen, so dass unsere wahre Identität erkennbar wird.

 

Die acht Teile der Yogapraxis beschreibt Patanjali folgendermaßen:

  1. yama, d.h. moralisches Handeln/Rücksicht anderen gegenüber, darunter ahimsa = Gewaltlosigkeit im Denken und Tun, satya = Wahrhaftigkeit, asteya = unbefugte Aneignung, brahmacarya = Enthaltsamkeit, aparigraha = Begierdelosigkeit.      
  2. niyama, d.h. moralisch im Inneren, also auch mit sich selbst, die fünf Regeln sind Reinheit (shauca, d.h. vor dem Yoga duschen!), Zufriedenheit (santosha: auch mit der eigenen Praxis, oder positive Gleichgültigkeit), Askese (tapas: vielleicht doch lieber grünen Tee trinken ;)), Studium (svadhyaya: Yogasutren lesen), Verehrung eines Gottes, Glaube daran, dass es etwas gibt, was über und hinausgeht (ishvara-pranidhana)
  3. asana: Patanjali meint hier eher das Ruhigsitzen, das stabil und bequem sein sollte. Zier ist es den Stimmungszustand zu spüren und evtl. zu verändern, dabei hilft es die Beine falten, evtl. auch ein Mudra (Siegel) zu halten. Am Anfang spürt der Praktizierende nur sein verkrampften, verspannten Muskeln, erst nach längerer Praxis ist es möglich diesen Stimmungswandel zu spüren und dann erst beginnt die innere Arbeit.
  4. pranayama: Verbindung zur Lebensenergie (prana). Wenn Muskelverspannungen gelöst und Energiekanäle frei sind, dann beginnt der Yogi mit der Technik der ‚Verlängerung des Atems’, der Atem wird reguliert, dadurch steigt die Energie entlang der Körperachse zum Gehirnzentrum, wenn sich Energie im Schädelcakra bündelt, dann wird samadhi erreicht.
  5. pratyahara: Rückzug der Sinne, für äußere Reize wird der Yogi weniger empfindlich, wie eine Schildkröte, die ihre Gliedmaßen einzieht, dafür stärker geistig aktiv ist.
  6. dharana: Konzentration, Geist wird in unbewegtem Zustand gehalten, im Vergleich zu intensiver Konzentration, die für intellektuelle Tätigkeiten benötigt wird, aber frei von Verspannung oder Anspannung.  
  7. dhyana: Zustand der Meditation, d.h. der Körper ist erfüllt vom Objekt der Meditation, der Yogi lernt sich immer mehr auf weniger zu konzentrieren, dadurch gelangt sie/er zu einem Zustand wacher Aufmerksamkeit, Verbindung zu den vrittis: als letzte Hürde muss der Yogi die Erinnerung überwinden, die immer neue Ablenkung einspeist, geht über aufblitzende Gedanken hinaus. Zum Schluss trifft und neutralisiert die Meditation die samskaras.
  8. samadhi: Hier sind alle Wirbel oder Fluktuationen des Geistes beseitigt. Samadhi ist begleitet von extremer Wachheit , Seligkeit und einem Gefühl ekstatischer Vereinigung.

 

Am Endpunkt dieser acht Glieder, die aufeinander aufbauen, steht die Befreiung (kaivalya). Körper und Verstand werden abgestreift.

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